Chronik des Zweckverbandes

Gründung und Aufbau des Zweckverbandes 


Der Zweckverband wurde am 14. Oktober 1959 von den Gemeinden Hart, Nußdorf und Tabing gegründet. An die damals neu erstellte Wasserversorgungsanlage wurden die Ortschaften Hart, Siedenberg, Sondermoning, Lenglach und Fehling angeschlossen. Diese Orte litten besonders in regenarmen Zeiten unter großem Wassermangel. Desweiteren lagen die Hausbrunnen meistens in unmittelbarer Nähe von Wirtschaftsgebäuden, was sich für eine einwandfreie Wasserqualität nicht gerade positiv auswirkte. Diese Situation führte dazu, dass eine handvoll beherzter Männer daran gingen, hier Abhilfe zu schaffen.

 

 

Brunnen Hart 1, mit Harter Dorfkirche im Hintergrund

Im Sommer 1958 wurde auf halber Linie, zwischen Siedenberg und Hart von Hand der erste Brunnen ausgeschachtet. Ein Pumpversuch über einen Zeitraum von 72 Stunden ergab, dass eine Wasserentnahme von 5 l/sek. möglich ist. Die behördliche Genehmigung wurde auf 6 l/sek. bei einer jährlichen Entnahme von 60.000 cbm erteilt und die Grundlage für die Gründung des Zweckverbandes war dadurch geschaffen.

 

Mit der Durchführung der Arbeiten, wie Verlegen der Haupt- und Anschlussleitungen sowie Erstellen des Hochbehälters und des Pumphauses bei Hart wurde die Fa. Ferrum Rohrleitungsbau aus Dinkelscherben beauftragt.

 

Auf einem der höchsten Punkte (581 m ü. NN) der heutigen Gemeinde Chieming wurde der Hochbehälter in Siedenberg mit einem Fassungsvermögen von 200 cbm gebaut. Dies war der damalige Tagesverbrauch einschließlich einer gewissen Reserve, insbesondere auch im Hinblick auf den Brandschutz. Bei diesem ersten Bauabschnitt wurden insgesamt 7,5 km Hauptleitungen in den Größen DN 80-200 verlegt und 76 Häuser angeschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bau der Versorgungsleitungen beim
Hochbehälter Siedenberg, damaliger
Verbandsvorsitzender Johann Schneblinger

 

 

Kirchenzug vom Gasthaus "Bräu" in Hart zur
Kirche mit anschl. Weihe des Hochbehälters
und des Brunnen Hart I.

 

 

Einweihung des alten Hochbehälters durch
Pfarrer Schärfl

Zur weiteren Versorgungssicherheit wurde im Jahre 1963 bei Nunhausen ein Brunnen mit einer Tiefe von 25 m niedergebracht. Bereits 1969 war der Bau eines weiteren Brunnen in Nunhausen notwendig.

 

Brunnen Nunhausen I und II. Wasserförderung
je 20 l/sec., genehmigte Entnahme
400.000 cbm / Jahr

 

 

Notstromaggregat im Steuerhaus
in Nunhausen

Innerhalb von 10 Jahren konnte die Zahl an Hausanschlüssen von 76 auf 480 gesteigert werden. Im Jahr 1975 waren bereit 728 Anwesen an die Wasserversorgung angeschlossen. Wesentlich trug dazu die Erweiterung der Anlage und die Eingliederung des Wasserbeschaffungsverbandes "Nußdorf" im Jahre 1966 bei. Bis zum Jahr 1979 wurden in unserem Verbandsgebiet die beachtliche Länge von 82 km Hauptleitung verlegt.

In den darauffolgenden Jahren wurden folgende bauliche Maßnahmen durchgeführt:

 

  • Rohrleitungen mit einer Gesamtlänge von 36.675 m in den Nenndurchmessern 80 bis 200 mm, wobei 27 Ortschaften und Weiler angeschlossen wurden.
  • Für den Brandschutz wurden 80 Unterflur und 39 Oberflurhydranten in das Versorgungsnetz eingebaut.
  • Das Fassungsvermögen des Hochbehälters in Siedenberg wurde von 200 auf 1200 cbm erweitert.
  • Bau des Drucksteigerungspumpwerkes mit Betriebs- und Wohngebäude in Siedenberg.

Die Fertigstellung der Erweiterungsmaßnahme konnte 1974 gefeiert werden. Die Gesamtkosten der durchgeführten Maßnahmen beliefen sich auf 4,8 Mio DM.

Übernahme der Wasserversorgung Truchtlaching

 

Ein Meilenstein für die Wasserversorgung der Harter Gruppe war die Übernahme der Wasserversorgung Truchtlaching. Der Zweckverband lieferte ab dem Jahr 1969 mittels einem Liefervertrages Wasser in den Hochbehälter Truchtlaching. Die Übernahme des Unterhalts der Anlagen und des Versorgungsnetzes erfolgte im Jahr 1984, wobei eine Übernahmevereinbarung abgeschlossen wurde. Diese hatte eine umfangreiche Sanierung des Versorgungsnetzes, die Erstellung einer Ringleitung aus Richtung Castrum und einen Neubau des Dückers durch die Alz beinhaltet. Die endgültige Übernahme konnte dann im Jahr 1992 erfolgen. Der Zweckverband steuerte 500.000 DM für die Sanierung der Wasserversorgung bei. Der Restbetrag wurde über Verbesserungsbeiträge von den Truchtlachinger Bürgern geleistet.

 

Der Notverbund mit der Gemeinde Chieming im Jahre 1966 sowie der Anschluss der Ortschaften Knesing an unsere Wasserversorgung waren wietere zukunftsorientierte Maßnahmen.

Erweiterung der Versorgung 1989-1995

1. Brunnenbohrung und Brunnenausbau Hart II

Im Jahr 1989 wurde durch das Ing.-Büro Stefanutt und Habl, Traunstein, eine Wasserbedarfsermittlung bis ins Jahr 2000 aufgestellt. Um die Versorgung des Verbandsbereiches sichern zu können, beschloss man am 22.02.1989 die Erweiterung der Harter Gruppe.

 

Diese umfasste den Ausbau und Anschluss des Brunnens Hart II der bereits im Jahre 1988 gebohrt wurde. Die Bohrung erfolgte im Trockenbohrverfahren durch die Fa. Preussag. Eine sehr hart gelagerte Bodenschicht zwischen 19,9 m bis 30,5 m musste mit schwerem Bohrwerkzeug durchstoßen werden. Der Bohrfortschritt betrug dabei nur noch 2 m pro Tag. 

 

Am 25.02.1988 erreichte man in einer Tiefe von 11,90 m den Grundwasserspiegel, der bis auf 8,25 m anstieg. 

Nach Einbau des Sperrrohres stellte sich der Ruhewasserspiegel bei 14,8 m ein. Eine Tauchrpumpe mit einer Leistung von 20 Liter in der Sekunde fördert das Wasser direkt in den Hochbehälter Siedenberg.

 

 

Daten des Brunnen Hart II
Technischer Brunnenausbau Kunststoffbeschichtete Stahlfilter- und Vollrohre DN 400
Brunnentiefe 53,50m
Installation Edelstahl DN 150
Förderpumpe EMU Unterwasserpumpe mit einer Förderleistung von 20 l/sek
Hydrogeologische Charakterisierung des Aquifers Porengrundwasserleiter, sandiger Kies
Mächtigkeit des Aquifers 25,00 m
Deckschichtenmächtigkeit mind. 18,00 m

Ausbau und Anschluss des Brunnen Hart II

Für die Brunnenstube wurde ein Sondervorschlag der Fa. Rink aus Rosenheim berücksichtigt, der den Bau als Schachtbauwerk vorsah. Die Brunnenstube wurde dabei als Fertigteil per Tieflader angeliefert und in die vorbereitete Baugrube gehoben. Die Fertigstellung des Brunnens Hart II wurde innerhalb rekordverdächtiger drei Tage ausgeführt. 

Nach einer erneuten Wasseranalyse konnte die Förderung in den Hochbehälter Siedenberg am 10.11.1995 aufgenommen werden. 

2. Sanierung der Wasserversogung in Knesing

In der Ortschaft Knesing wurden im Zuge der Kanalisation auch die Wasserversorgungsleitungen mit den Hausanschlüssen teilweise erneuert. Der Zustand der Wasserversorgung in Knesing war daher unbefriedigend, da mehrere Anwesen mit einer einzigen Hausanschlussleitung angeschlossen waren und die Hauptleitung zu gering dimensioniert war.

Die Sanierung wurde von der Fa. Strabag, Rosenheim, ausgeführt, die mit einem Angebotspreis von 252.473,-- DM das günstigste Angebot vorlag. Am 03. September 1990, nach der Verlegung des Abwasserkanales konnte mit der Sanierung begonnen werden.

Daten der Sanierung
Druckrohre PVC DN 80 100 m
Druckrohre PVC DN 100 890 m
Druckrohre PVC DN 125 490 m
Hausanschlüsse 20
Unterflurhydranten 5
Oberflurhydranten 2
Baukosten 241.273,92 DM

 3. Ringleitung von Weidboden nach Litzlwalchen

Um die Versorgung sicher zu stellen wurde ab der Weidbodener Senke bis nach Litzlwalchen eine PVC-Hauptleitung DN 200 verlegt. Dadurch besteht eine Ringleitung für das gesamte Nußdorfer Versorgungsgebiet. Die Leitung, mit einer Gesamtlänge von 1.908 m wurde von der Fa. Rink, Rosenheim verlegt. Die Kosten für diese Verbesserung der Versorgungssicherheit beliefen sich auf 260.074 DM. 

4. Erweiterung des Hochbehälters Siedenberg

Abriss des alten Rundbehälters und der Schieberkammer
Provisorische Versorgung während der Bauzeit

Um eine wirtschaftliche Förderung (Stromkosten) betreiben zu können und der steigenden Zahl der Abnehmer gerecht zu werden, ist nach dem Bau des Hochbehälters im Jahr 1959 (Fassungsvermögen 200 cbm) und der Erweiterung der 1967 (1.200 cbm) eine weitere Vergrößerung erforderlich geworden. Der damalige 200 cbm Behälter und die Schieberkammer wurden abgerissen und durch einen neuen, zweiten 1.000 cbm fassenden Behälter ersetzt. Durch diese Erweiterung und den Bau des Brunnen Hart II ist es nun möglich, auch bei Spitzenverbrauch den Hochbehälter in der Nacht im niedrigen Stromtarif zu befüllen. 

Die besondere Schwierigkeit während der Bauzeit war, dass die komplette Versorgung über dem in Bau befindlichen Hochbehälter aufrecht erhalten werden musste. Der neue Hochbehälter wurde am 21.12.1994 in Betrieb genommen. 

Neuer Hochbehälter in Siedenberg

Nach diesen Umfangreichen Investitionen hatte der Zweckverband im Jahr 1995 Schulden in Höhe von über 1 Mio. Euro. In den Jahren bis 2010 konnten diese aber durch sparsamen Haushaltsführung und eine gute Entwicklung beim Wasserverkauf wieder auf 265.000 € gesenkt werden.    

Der Zweckverband hatte als erster Trinkwasserversorger im Landkreis Traunstein ein flächendeckendes digitales Planwerk über den Verlauf der Versorgungsleitungen. In den Jahren 1998 und 1999 wurde das gesamte Trinkwassernetz vor Ort digital von der Fa. BavariaGIS, Halfing erfasst und gezeichnet. Umfang der 130.000.- € teuren Investition war auch eine Vollversion der Software und ein Laptop mit den Bestandsdaten als Auskunftsstation für die Störungsbehebung. Wichtig war das Wissen des langjährigen Wasserwartes Herrn Kalchgruber für den Zweckverband zu sichern.

Übernahme des Unterhaltes der Wasserversorgung Seeon

Am 04. Mai 2001 wurde wiederum mit dem Abschluss einer Vereinbarung zur Übernahme von Unterhaltsmaßnahmen der Wasserversorgung Seeon das Aufgabengebiet der Harter Gruppe erweitert. Mit dieser Vereinbarung übernahm der Zweckverband die technische Betriebsführung der Wasserversorgung Seeon einschließlich der Objektbetreuung, der Rufbereitschaft, der Reparatur von Rohrbrüchen und der Beratung und Überwachung bei Erschließungs- und Sanierungsmaßnahmen.

Das Netz der Wasserversorgung Seeon beinhaltet einen Brunnen, 4 Hochbehälter, 5 Druckerhöhungsanlagen, 39 km Hauptleitungsnetz und 16 km Hausanschlussleitungen mit 583 Anschlüssen (2012).  

Nach der Erstellung eines Mischbarkeitsgutachtens der Wässer der Harter Gruppe und des Wasserbeschaffungsverbandes Seebruck konnte für den Bau eines weiteren Notverbundes "grünes Licht" gegeben werden. Nach Erstellung einer HDPE da 160 Verbindungsleitung mittels einer gesteuerten Horizontalspülbohrtechnik konnte in der Einfahrt zur Haushoferstraße im Ortsteil Graben ein Fertigbetonschacht als Übergabestelle eingebaut werden. So ist ein weiterer Beitrag zur Versorgungssicherheit beider Trinkwasserversorger geschaffen worden. Der nächste Notverbund wurde im Jahr 2011 mit dem Wasserbeschaffungsverband Matzing im Ortsteil Biebing errichtet. Dieser Notverbund dient in erster Linie der Versorgung des Ortsteiles Matzing bei nötigen Arbeiten am Versorgungsnetz oder dem Hochbehälter.

 

 

 

 

 

Monitor der neuen Fernwirkanlage

 

 

 

 

 

Schaltschrank um Verbandsgebäude

n den Jahren von 2007 bis 2010 wurde die gesamte Elektro-, Meß-, Steuer- und Regelungstechnik erneuert. Dadurch können alle Anlagen nun von der Zentrale in Siedenberg und vom Bereitschaftslaptop jederzeit überwacht und gesteuert werden. Ebenso sind MID-Wasserzähler zum Einbau gekommen um die Verbräuche ständig kontrollieren zu können und auftretende Leckstellen dadurch früher zu erkennen. Ebeso mit eingebunden ist die Rohrnetzüberwachung bei der einzelne Rohrabschnitte genau überwacht werden können.   

Persönlichkeiten des Zweckverbandes

Johann Schneblinger

Der Zweckverband Harter Gruppe war sein Lebenswerk. Ohne ihn und seine unermüdliche Arbeit wäre der Zweckverband heute nicht das was er ist. Es war seinem Gespür und seiner Überzeugungskraft zur verdanken, dass zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen wurden. Johann Schneblinger hat den Verband weit über seine persönlichen Interessen gestellt, was nicht zuletzt Auswirkungen auf seine eigene Gesundheit hatte. Er war von der Verbandsgründung bis zum Jahr 1966 Vorsitzender und bis 1984 Geschäftsleiter. Johann Schneblinger verstarb im Jahr 1985.

Alfons Kalchgruber

Besonders herauszuheben ist die Tätigkeit unseres Wasserwartes Alfons Kalchgruber, der 36 Jahre lang beim Zweckverband beschäftigt war. Durch seine Einsatzbereitschaft und der vielfältigen Erfahrung, die er sich im Laufe seiner langen Tätigkeit aneignete, war er für die Harter Gruppe schier unersetzbar. Da er weit über die Grenzen des Zweckverbandes hinaus bekannt ist, nahmen und nehmen auch andere Wasserversorger seine Dienste gerne in Anspruch, denn er ist ein wahrer "Meister" im orten und aufspüren von Rohrbrüchen. 

Im Jahr 2004 trat Alfons Kalchgruber in den verdienten Ruhestand, der jedoch des öfteren durch einen lauten "HILFERUF" von der Harter Gruppe unterbrochen wird.

Siegfried Engl

Siegfried Engl war von 1996 bis 2014 Verbandsvorsitzender der Harter Gruppe. In dieser Zeit hat der Zweckverband viel investiert, modernisiert und die Weichen für die weitere Zukunft gestellt.

 

Flächendeckende Aufnahme des gesamten Leitungsnetzes in ein digitales GIS-System

Kooperationsvereinbarung über die technische Betriebsführung der Wasserversorgung Seeon

Notverbund mit dem Wasserbeschaffungsverband Seebruck

Kauf von landwirtschaftlichen Flächen in Trinkwasserschutzgebieten

Energetische Sanierung des Verbandsgebäudes

Zahlreiche Investitionen in das Leitungsnetz

Erweiterung des Verwaltungsgebäudes

 

Jubiläumsfeier zum 50 Jährigen bestehen des Zweckverbandes

mit Errichtung eines Marterl´s auf dem Verbandsgrundstück

 

Hl. Nepomuk (Schutzpatron gegen Wassergefahren)

Diese Chronik wurde von Thomas Kehr in Zusammenabeit mit Peter Oberrader (Geschäftsleiter von 1984 bis 1992) erstellt.

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